Der Schweizer Marcel Moos hält österreichische Ziegen in Bulgarien

Written by on December 30, 2017 in Panorama - Comments Off on Der Schweizer Marcel Moos hält österreichische Ziegen in Bulgarien

Tausende Ausländer leben in Bulgarien, mit den verschiedensten Tätigkeiten. Einige sogenannte “Expats” sind Kleinkinder, andere studieren. Nicht wenige Ausländer arbeiten in Call Centern. Es gibt aber auch ausländische Lehrer in Bulgarien, Ärzte, Unternehmer und Diplomaten. Und es gibt Marcel Moos.

Der Schweizer aus dem Kanton Zug hat vermutlich den originellsten Beruf unter allen Ausländern in Bulgarien. Er ist Ziegenfarmer. Im Moment ist der dabei, im Landkreis Gabrovo eine große Ziegenform aufzuziehen. Bisher hat Moos 210 Ziegen. Bald sollen es sogar 1000 Tiere sein, die in fünf Ställen leben werden. Für seine Ziegenfarm wird er einen Zuschuss von der Europäischen Union erhalten.

Marcel Moos hat Bulgarien oft besucht, nämlich seit den frühen 1990er-Jahren. Er sagt, er fühle sich hier zuhause. Vor zweieinhalb Jahren kaufte er das Land für die Farm, vor zwei Jahren begann er mit den Planungen. Im März 2017 startete dann der Bau. Bisher stehen zwei große Ställe, ein Melksaal und ein Heuschuppen. Hinzu kommt die bisher 1 Kilometer lange Einzäunung.

Imanuel Marcus sprach mit Marcel Moos.

Die ersten 210 Ziegen sind vor Ort. Foto: Marcel Moos.

The Sofia Globe: Wie bist Du auf die Idee gekommen eine Ziegenfarm in Bulgarien aufzubauen?

Marcel Moos: Ich habe vor 10 Jahren eine bulgarische Firma technisch geleitet und hatte immer den Wunsch, in diesem Land selbst ein Projekt hochzuziehen. Ich habe also immer darüber nachgedacht, was ich machen könnte. Zwei Projekte kamen schließlich in Frage. Eines davon wäre eine Ferienanlage für deutschsprachige, behinderte Touristen gewesen. Dies hätte funktionieren können, aber ich hatte niemanden, der mir geholfen hätte. Die andere Möglichkeit war eine Ziegenfarm.

The Sofia Globe: Wie benehmen sich Deine 210 Ziegen?

Marcel Moos: Etwas verrückt, aber das war zu erwarten. Sie haben sich aber gut eingelebt und ich habe nur einen Verlust verbucht. Eine Deutsche ist aus Norwegen hergekommen, um mir mit den Ziegen zu helfen. Sie kennt sich sehr gut aus. Zum Glück ist sie hier. Bulgaren gehen grundsätzlich anders mit Tieren um. Wenn Du Leistung willst, muss das Tier seine Ruhe haben, es darf nicht gestresst sein, es muss ihm gut gehen. Dies nennt man eine artgerechte Haltung. Die Bulgaren sehen dies offenbar nicht so.

The Sofia Globe: Handelt es sich um Ziegen aus Bulgarien oder der Schweiz?

Marcel Moos: Die Tiere kommen aus Österreich. Es sind sogenannte Hochleistungsmilchziegen der Rassen Gemsfarbige Gebirgsziege und Toggenburger Ziege.

Manche der Ziegen sind sehr schlau. Foto: Marcel Moos.

The Sofia Globe: Du hast außerdem einen ehemaligen Kindergarten in der Schweiz erworben und nach Bulgarien transportiert. Wie kam es dazu?

Marcel Moos: Ja, ich wohne in dem Haus. Es ist 7 mal 21 Meter groß und ein Elementbau. Da der Kindergarten in der Schweiz neu gebaut wurde, wollte die Verwaltung das alte Gebäude loswerden. Ich habe sogar noch 1000 Euro bekommen, dafür dass ich das Haus mitgenommen habe. Zwei Lastwagen sind aus Bulgarien in die Schweiz gekommen, mit vier Mann, um es abzuholen und in Teilen auf mein Grundstück zu bringen. Hier wurde das Haus wieder aufgebaut. Die Zimmer wurden neu gemacht. Ich habe nun eine kleine Wohnung darin. Und die Angestellten haben drei Räume.

The Sofia Globe: Und was ist mit den Ställen für die Ziegen?

Marcel Moos: Diese wurden komplett neu gebaut. Hier waren nur Büsche. Sonst nichts. Ich musste eine 2 Kilometer lange Zufahrtstraße bauen lassen. Dann habe ich die Auflage erhalten, ein 120 Quadratmeter großes Wassereservoir zu bauen, was auch Geld gekostet hat. Zudem musste ich den Strom her bringen, mit einem Transformator. Billig war auch dies nicht.

The Sofia Globe: Das klingt abenteuerlich. Zurück zu den Ziegen. Welche Produkte bietest Du an?

Marcel Moos: Im Moment biete ich nur Milch an. Auf dem lokalen Markt haben wir schon einen Abnehmer. Unser Ziel ist es ja, auf der Farm auf 1000 Tiere zu kommen. Wenn es später noch reicht, werde ich außerdem eine Käserei bauen.

Mitten im Nirgendwo begann Anfang 2017 der Bau. Foto: Marcel Moos.

The Sofia Globe: Was hast Du inzwischen über Ziegen gelernt?

Marcel Moos: Ich hatte bereits etwas Ahnung von Ziegen, da ich einen Kurs in einer Landwirtschaftshochschule besucht habe. Auch habe ich viel gelesen und Farmen besucht. Ziegen sind Tiere, die gern draußen sind. Genau dies werden wir ihnen ermöglichen. Ich habe ja 50 Hektar Land. Ziel ist es, später auf dem Markt der Bioprodukte aktiv zu werden. Dies wiederum bedeutet automatisch, dass die Ziegen auch Weidegang haben müssen.

The Sofia Globe: Du hast auf sozialen Medien einiges gepostet. Einmal schriebst Du etwas über schlaue und weniger schlaue Ziegen. Woran erkennst Du, wie schlau eine Ziege ist?

Marcel Moos: Einige dieser Tiere sind raffiniert. In einer Ziegen-Gruppe auf Facebook habe ich mit anderen Ziegenfarmern kommuniziert. Eine Bäuerin meinte, sie hätte eine Ziege, die die Riegel zu den Boxen ruck zuck öffnen könne. Die Besitzerin merkt dies manchmal gar nicht. Eine andere Ziege hat es dort sogar fertiggebracht, die Futtertonne zu öffnen. Ein weiteres der Tiere stand vor einem Elektrozaun und bewegte den Kopf. Diese Ziege passte dann den Zeitpunkt zwischen den Elektroimpulsen ab und sprang hindurch. Es war bestimmt eine ganz besondere Ziege.

 

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