Rosmarie und Andreas Thöni-Chlouda: Die Bulgarien-Helfer aus der Schweiz

Written by on September 11, 2017 in Bulgarien - Comments Off on Rosmarie und Andreas Thöni-Chlouda: Die Bulgarien-Helfer aus der Schweiz

In der Schweiz gibt es diverse Hilfsprojekte für Bulgarien und andere Länder ist Osteuropa. Auch auf staatlicher und kommunaler Ebene ist dies der Fall. Die Schweiz schenkte Bulgarien beispielsweise unlängst 28 grüne Straßenbahnen, die auch als “Gurken” bezeichnet werden und täglich ihre Runden durch Sofia drehen.

Der Verein “Solidarität Schweiz Osteuropa” wurde Ende der 1990er Jahre in Interlaken als Arbeitslosenprojekt gegründet, auch wenn er damals noch anders hieß. Damals wurden Sachspenden aus Krankenhäusern und von Feuerwehren in der Schweiz gesammelt und von Arbeitslosen in Stand gesetzt, um dann in Bulgarien und Rumänien Kliniken und Feuerwehren übergeben zu werden.

Der Bund und der zuständige Kanton haben das Projekt später nicht mehr in dieser Form unterstützt, mit dem Ergebnis, dass das Konzept geändert wurde. Seit dem Jahr 2011 wird das Projekt in abgespeckter Form von Rosmarie und Andreas Thöni-Chlouda geleitet. Sie mussten die Organisation zunächst wieder aufbauen.

Sie und ihre Helfer und Partner sorgen mit viel Einsatz dafür, dass Krankenhäuser und Altersheime in Bulgarien weiterhin dringend benötigte Ausstattungsgegenstände bekommen, darunter Klinikbetten. Die nächsten Lieferungen werden im umgehend in Targovishte und Schumen erwartet.

Imanuel Marcus sprach mit Rosmarie Thöni-Chlouda.

The Sofia Globe (TSG): Wie ist der Verein auf Bulgarien gekommen? Warum helfen Sie ausgerechnet in diesem Land?

Rosmarie Thöni: Bulgarien ist uns im Laufe der vielen Jahre mit seinen Leuten, Landschaften und Gebräuchen ans Herz gewachsen. Wir haben hier in der Schweiz die Möglichkeiten und mittlerweile auch den Bekanntheitsgrad erreicht, den wir brauchen, um an gebrauchtes Spitalmaterial heranzukommen. Die gelieferten Betten und Geräte sind durchaus noch komplett funktionstüchtig, absolut ansehnlich und sauber. Anstatt entsorgt zu werden, können sie in Bulgarien noch viele Jahre einen guten und sinnvollen Zweck erfüllen.

TSG: Sie haben sich in bulgarischen Städten und Dörfern umgesehen, darunter in Krankenhäusern und Altersheimen. Woran fehlt es in diesen Einrichtungen?

Rosmarie Thöni: Hauptsächlich sind die Betten und vor allem auch die Matratzen und Nachttische in einem teilweise erbärmlichen Zustand. Auch Untersuchungszimmer und Operationssäle liessen uns zeitweise erschaudern.

Schumen (Bulgarien): Eines der Krankenhausbetten, die dringend ersetzt werden müssen.

TSG: Was war das Schlimmste, was Sie in Bulgarien gesehen haben?

Rosmarie Thöni: Ein Operationssaal. Der Operationstisch war unten rostig, die Zylinder undicht und aus dem Polster quoll der Schaumstoff. Um den Tisch hydraulisch bedienen zu können, stand auf einer Ablage daneben eine Ölflasche, um das fehlende Öl am Hydraulikzylinder vom Operationstisch während der Operation auffüllen zu können.

TSG: Allein in Vratsa waren Sie drei Mal. Wie sieht es dort in entsprechenden Einrichtungen aus?

Rosmarie Thöni: Die erste Lieferung im September 2014 haben wir auf Anfrage der bulgarischen Botschaft in Bern für Vratsa zusammengestellt. Der Hilferuf entstand aufgrund der damaligen starken Überschwemmungen in diesem Gebiet. Die Verteilung unserer gelieferten 24 elektrisch verstellbaren Spitalbetten mit Matratzen und Nachttischen, Schulpulte, Gehhilfen sowie Bett- und Frottéwäsche und Wolldecken übernahm die Gemeinde Vratsa. Im Rahmen unserer Vereinsreise im Juni 2016 haben wir dann das erste Mal die Gemeinde persönlich besucht. Die damalige Gouverneurin Irina Ivanova führte uns bei dieser Gelegenheit ins Onkologiezenter in Vratsa. Wir trafen dort an, was wir schon vielerorts gesehen hatten: Schlechte Betten, durchgelegene Matratzen, unzumutbare Untersuchungsliegen. Am 29. März 2017 lösten wir unser Versprechen ein und füllten einen Lastwagen für das Onkologiezentrum Vratsa. Auch besichtigen wir im Juni 2016 das Krankenhaus für Tuberkulosekranke. Der dortige Direktor Dr. Kostadin Schahov zeigte uns etwas verschämt die schlechte Infrastruktur des von ihm mit viel Engagement geführten Krankenhauses. Im April konnten wir ihm den versprochen LKW mit 27 elektrisch verstellbaren Spitalbetten inklusive Matratzen und Nachttischen nach Vratsa senden.

TSG: Wie sind in Bulgarien die Reaktionen auf Ihre Lieferungen ausgefallen?

Rosmarie Thöni: Durchwegs freudig und dankbar. Von fast allen von uns belieferten Institutionen haben uns sehr herzliche Dankesbriefe erreicht. Auch unsere Kontrollbesuche, die wir nach unseren Lieferungen einmal im Jahr durchführen, werden überall geschätzt. Diese Kontrollbesuche sind auch für unsere Sponsoren sehr wichtig. So sehen sie doch, dass ihre Spenden am versprochenen Bestimmungsort direkt und ohne Umwege eingesetzt wurden.

Die gebrauchten Klinikbetten aus der Schweiz werden gut bewacht.

TSG: In welchen anderen Ländern hilft Ihr Verein?

Rosmarie Thöni: Da wir auf private Spendengelder angewiesen sind, konzentrieren wir uns aus finanziellen Gründen nur auf Bulgarien. Sämtliche Mitglieder wie auch der Vorstand arbeiten ehrenamtlich. Es ist uns ein Anliegen, möglichst viele bulgarische Krankenhäuser und Altersheime, die über eine schlechte Infrastruktur verfügen, mit gutem Material aus der Schweiz zu beliefern.

TSG: Welche Aktionen stehen in Naher Zukunft auf Eurem Programm?

Rosmarie Thöni: Am 15. September geht eine Lieferung in Richtung eines Alters- und Pflegeheims in Targoviste losgeschickt. Mitte Oktober werden wir dem Altersheim in Schumen den im Mai 2017 versprochenen LKW, prall gefüllt mit Betten, Nachttischen, Matratzen und vielem mehr, schicken. Wir konnten uns persönlich davon überzeugen, wie dringend unsere Hilfe dort erwartet wird.

Die Webseite des Vereins “Solidarität Schweiz Osteuropa” kann hier erreicht werden. Informationen zum Spendenkonto sind enthalten.

Fotos: “Solidarität Schweiz Osteuropa”

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Imanuel Marcus, the founder of foreignersandfriends.com, is Associate Editor of The Sofia Globe.