Skandal in Bulgarien: Vizeminister tritt wegen Hitler-Gruß zurück

Written by on May 18, 2017 in Bulgarien - Comments Off on Skandal in Bulgarien: Vizeminister tritt wegen Hitler-Gruß zurück

Der bulgarische Vizeminister für regionale Entwicklung, Pavel Tenev, ist am Mittwoch zurückgetreten, nur zwei Tage nach seiner Ernennung. Zu dem Schritt kam es, nachdem ein Foto, auf dem Tenev Wachsfiguren von Wehrmachtsoffizieren in einem Museum in Paris den Hitler-Gruß gibt, für einen Sturm der Entrüstung sorgte.

Erst am Dienstag war Tenev als Repräsentant der “Vereinten Patrioten”, einer Gruppierung nationalistischer, rechtsradikaler Parteien, die Juniorpartner der Regierungskoalition von Boyko Borissov sind, ernannt worden. Kurz nach der Ernennung verbreitete sich das Foto, das angeblich vor 9 Jahren aufgenommen wurde, in Medienberichten und in sozialen Netzwerken.

Am Mittwoch forderten zwei der drei Oppositionsparteien in der bulgarischen Nationalversammlung, nämlich die Bulgarische Sozialistische Partei und die “Bewegung für Rechte und Freiheit”, Tenevs Rücktritt. Später stellte er sich Reportern: “Ich glaube dass die entstandenen Spannungen für die Regierung nicht gut sind. Daher habe ich meinen Rücktritt eingereicht.”

Zu dem Rücktritt kam es nach Gesprächen mit Ministerpräsident Boyko Borissov von der konservativen Partei GERB und Valeri Simeonov, einem der Führer der “Vereinten Patrioten”, der auch Vize-Ministerpräsident ist.

Die “Pose” in dem Pariser Museum war Tenev zufolge “spöttischer Natur”. Er gab an, Nazismus nicht zu unterstützen. Ministerpräsident Borissov dankte Tenev dafür, dass er ihn mit dem Rücktrittsgesuch aufgesucht habe.

Simeonovs Kommentar sorgte allerdings für eine neue Kontroverse. Gegenüber der bulgarischsprachigen Publikation “Sega” erklärte er: “Ich habe kein Facebook. Ich habe das Foto nicht gesehen. Also kann ich es nicht kommentieren.” Auch versuchte Simeonov, Zweifel an der offensichtlichen Natur des Grußes zu säen. “War es wirklich ein Nazi-Gruß? Auf welcher Basis sollte Tenev zurücktreten? Weil er ein Hitler-Bewunderer oder Mitglied der Nazi-Partei ist? Blödsinn.” So zitierte “Sega” Simeonov.

Der Zeitung zufolge rief Simeonov die Redaktion später nochmals an und sagte, als Student sei er in den 1970er-Jahren zu einem Besuch zum Konzentrationslager Buchenwald gefahren. “Jetzt wo ich daran zurückdenke: Wer weiß, welche Witz-Fotos wir dort geschossen haben. Kann jetzt irgendwer sagen: ‘Trete zurück und kehre in Dein Dorf zurück’?”

Das Lager in Buchenwald in der Nähe von Weimar wurde von 1938 bis 1945 von den Nazis als Konzentrations- und Zwangsarbeitslager genutzt. Juden, Slawen, Roma, Homosexuelle und alliierte Kriegsgefangene waren dort interniert. Mindestens 56.000 Menschen wurden in Buchenwald ermordet. Während des Holocaust ermordeten die Nazis allein 6 Millionen Juden.

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Imanuel Marcus is Associate Editor of The Sofia Globe. He is German and lives in Sofia. Contact: imanuelmarcus (at) gmail.com