Nikolai Dimitrov: Der bulgarische Viola-Held am Einschlagkrater

Written by on March 18, 2017 in Kultur - Comments Off on Nikolai Dimitrov: Der bulgarische Viola-Held am Einschlagkrater

Das Objekt kam mit hoher Geschwindigkeit, vor 65 Millionen Jahren. Es übertrat die Geschwindigkeitsbegrenzung, als es sich einer blauen Kugel näherte, die da irgendwo im Weltraum hing. Diese Kugel, die sich bei näherem Hinsehen als Planet mit Wasser, Landmasse, Bergen, Dinosauriern und McDonalds-Imbissen entpuppte, stand im Weg. Das Objekt musste einfach mit der Kugel zusammenstoßen.

Die Explosion war größer als alles, was die Dinos jemals zu sehen bekommen hatten. Tiere, die nicht direkt durch den Einschlag ausgelöscht wurden, verendeten später aufgrund der Folgen. Wie wir heute wissen, krachte der Asteroid vor der mexikanischen Halbinsel Yucatán ins Wasser. Yucatán ist zugleich der Name eines Bundesstaates an deren nördlicher Spitze.

Yucatán. Der Asteroid landete dort ebenso wie der Violinist Nikolai Ivanov Dimitrov, ein Bulgare, der “auch russisches Blut in den Adern” hat, von der Familie seiner Mutter, wie er The Yucatán Times verriet, einer englischsprachigen Publikation, die in Mérida erstellt wird.

Dimitrov ist Teil des Symphonieorchesters von Yucatán sowie dem International String Quartet of Yucatán, einer Gruppe, die aus einer russischen Cellistin und drei Geigern aus den U.S.A., England und Bulgarien besteht, nämlich Dimitrov.

Dimitrov (rechts) mit seinen Kollegen vom Streicherquartett in Mexiko. Foto: ISQY.

Dimitrov wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren, in Sofia, der Hauptstadt des kommunistischen Staates Bulgarien. Sehr früh, mit 4 Jahren, nahm er die Violine in die Hand, die er nie ablegen würde. Seine Lehrer waren Anna Georgieva und Professor Dimitar Chilikov an der Nationalen Musikakademie. Das Philharmonische Orchester wurde von Vladi Simeonov geleitet, als Dimitrov im Alter von 12 Jahren dessen Mitglied wurde.

Später arbeitete Dimitrov, der weit gereiste “Expat”, für ein Orchester in Spanien. Auch tourte er um die ganze Welt, von den U.S.A. bis Marokko und von San Marino ins ehemalige Jugoslawien.

Gegenüber The Yucatán Times sagte er, er hätte festgestellt, dass viele Orchester überall auf dem Planeten von Bulgaren geleitet würden. Recht hat der Mann. Und weitaus mehr bulgarische Instrumentalisten spielen in Orchestern in Leipzig und London, in Paris und Philadelphia sowie in Yucatán.

Im Alter von 10 Jahren entschied sich Nikolai Ivanov Dimitrov für die Viola, anstatt der Geige, denn diese “gilt als Tenor der Violinenfamilie”, sei größer und habe einen ernsteren Klang.

Dimitrov, der Viola-Held am Einschlagskrater, spricht fünf Sprachen. Vor nunmehr 15 Jahren wurde er gefragt, ob er Mitglied des Symphonieorchesters von Yucatán werden wolle, als es gerade gegründet wurde. So steckte er schnell auf der mexikanischen Halbinsel fest. Es gibt dafür inzwischen einen weiteren Grund: Seine Frau ist Flötistin im selben Orchester. Sie kommt aus Xalapa im Bundesstaat Veracruz. Die Beiden haben eine dreijährige Tochter.

Ja, Bulgaren, eine Million von ihnen, leben überall auf der Welt. Der Musiker Nikolai Ivanov Dimitrov suchte sich einen der exotischsten Plätze aus, nämlich den Ort, an dem das schnelle Ding vom Himmel kam und im Wasser aufschlug, vor 65 Millionen Jahren.

The Yucatán Times führte dieses Interview with Nikolai Ivanov Dimitrov (Englisch)

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Imanuel Marcus, the founder of foreignersandfriends.com, is Associate Editor of The Sofia Globe.