“Blic Online” zur Flüchtlingskrise: Serbien will Grenzen auch mit Waffen verteidigen

Written by on March 18, 2017 in Panorama - Comments Off on “Blic Online” zur Flüchtlingskrise: Serbien will Grenzen auch mit Waffen verteidigen

Serbien will seine Grenzen verstärken. Wie das benachbarte Bulgarien glaubt Belgrad, dass der sogenannte “E.U.-Türkei-Deal” platzen könnte und dass dies erhebliche Konsequenzen an den Grenzen hätte, nämlich Flüchtlinge, die in Massen ins Land kämen. Die serbische Regierung will sogar die Armee einsetzen, um ein solches Szenario zu verhindern.

Vor einigen Tagen hatte der Chef der Übergangsregierung im benachbarten Bulgarien, nämlich Ministerpräsident Ognyan Gerdzhikov erklärt, “zusätzliche Maßnahmen” seien ergriffen und die Südgrenzen verstärkt worden. Nervosität zieht sich zunehmend durch das Land, da die Führung in Ankara fast täglich damit droht, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen.

Ein “verstärkter Flüchtlingsstrom” sei “innerhalb der nächsten Tage” möglich, sagte Gerdzikov am Dienstag. Bisher ist dies jedoch nicht passiert. Möglicherweise wird es auch nicht passieren, denn 3 Milliarden Euro von der E.U. sind für Ankara ein guter Grund, alles so zu lassen wie es ist.

Nun bereitet sich Serbien für das “dunkelste Szenario” vor, wie “Blic Online” es formuliert. Arbeitsminister Aleksandar Vulin versprach allerdings in Belgrad, seine Regierung werde “das Land und die Bevölkerung immer verteidigen”. Keinesfalls werde es “unkontrollierte Bewegungen” in Serbien geben. Das Land sei zudem “in der Lage, sein Territorium zu verteidigen”, so Vulin.

“Blic” schrieb sogar, die Redaktion hätte erfahren, dass Serbien bereit sei, die Armee einzusetzen. Nicht nur das, sondern das Militär wäre dann autorisiert, Waffen einzusetzen. Offenbar gibt es in Belgrad Politiker, deren Kenntnisse hinsichtlich des internationalen Rechts und der Menschenrechte ausbaufähig sind.

Nur 20 Jahre nach den letzten serbischen Eroberungskriegen, bei denen es sogar zu Völkermord kam, halten Beobachter die Aussage mit den Waffen, wo auch immer sie herkommt, für noch skandalöser, als sie es ohne die jüngste Geschichte des Landes gewesen wäre. Waffen gegen wehrlose Asylsuchende einzusetzen ist so ziemlich das schlimmste Verbrechen, das ein Land verüben könnte.

Im Moment beherbergt Serbien etwa 8.000 Flüchtlinge. Etwa 1.000 von ihnen, zumeist Jungen und Männer, waren gezwungen, den gerade zuendegegangenen, heftigen Winter in einer unbeheizten Lagerhalle in Belgrad zu verbringen. Die Zahl 8.000 ist harmlos. Im Herbst 2015 kamen jeden Tag etwa 8.000 Flüchtlinge nach Serbien. Allerdings wurden sie ausnahmslos nach Ungarn und Kroatien weitergeschickt.

Foto: Belgrade

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Imanuel Marcus, the founder of foreignersandfriends.com, is Associate Editor of The Sofia Globe.