Besser spät als nie: Die Evolution eines bulgarischen Kulturinstitutes

Written by on March 14, 2017 in Kultur - Comments Off on Besser spät als nie: Die Evolution eines bulgarischen Kulturinstitutes

Das “Südosteuropäisch-Bulgarische Kulturinstitut” in Ellwangen könnte nicht besser untergebracht sein. Das Palais Adelmann, erbaut im Jahre 1688, ist überaus elegant und wird sogar in Reiseführern erwähnt, die sich auf Schlösser spezialisieren. Die Stadt Ellwangen gab Bulgarien vor knapp fünf Jahren ein ansehnliches Büro in diesem Haus, und zwar umsonst. Im Gegenzug, so wurde es vereinbart, würde das Institut kulturelle Aktivitäten auf die Beine stellen. Alles war vereinbart. Sogar der frühere Vizeministerpräsident und Finanzminister Simeon Dyankov fuhr während eines Deutschlandaufenthaltes nach Ellwangen. Auch der ehemalige Präsident Bulgariens, Rosen Plevneliev, tauchte auf, um den Vertrag zu unterschreiben.

Fünf Jahre sind eine recht lange Zeit. Aber es passierte absolut nichts im “Südosteuropäisch-Bulgarischen Kulturinstitut”. Wann auch immer die Reporter der “Schwäbischen Zeitung” jemanden im Institut erreichen wollten, hatten sie Pech. Wenn sie hingingen, war die Tür abgeschlossen. Nichts. Nothing. Nada. Niente. Rien. Nishto.

Mehrere Jahre später, im Oktober 2016 kam Iskra Ivanova nach Ellwangen, um kulturelle Aktivitäten im Institut zu starten. Aber inzwischen glaubten die Verantwortlichen und Einwohner Ellwangens kein Wort mehr, denn in den knapp fünf Jahren zuvor hatte es nur zahlreiche leere Versprechen gegeben, wie die “Schwäbische Post” berichtete. “Die Komödie geht weiter” betitelte das Blatt einen Artikel. Die Annahme der Deutschen, derzufolge wieder nichts passieren würde, stellte sich als wahr heraus. Denn keine kulturellen Aktivitäten wurden angekündigt. Im Januar 2017 lief wieder nichts außer der Nase, da Iskra Ivanova verschwunden war. Die Tür des Instituts im Palais Adelmann war wieder geschlossen.

Dann, Ende Januar 2017, passierte ein Wunder. Professor Emil Ivanov traf ein, eine kulturelle Allzweckwaffe mit Elan und offenbar auch Beziehungen. Er ist weiterhin in Ellwangen und bringt Leben in die Bude, nach fünf Jahren des Nichts.

Prof. Emil Ivanov. Foto: Schwäbische Post

Der “Schwäbischen Post” zufolge ist Professor Ivanov Experte für Archäologie und Kunstgeschichte. Das Kulturamt in Ellwangen scheint viel von ihm zu halten. Ivanov sagte gegenüber Reportern der Zeitung, die bulgarische Bürokratie hätte die Sache mit dem Kulturinstitut in Ellwangen hin- und hergeschoben, von Schreibtisch zu Schreibtisch, fünf Jahre lang.

Ivanov will nun für zumindest ein Jahr in Ellwangen bleiben, obwohl der zwischen der Republik Bulgarien und der Stadt Ellwangen vor Jahren geschlossene Vertrag am 10. August 2017 abläuft, was bedeutet, dass die Unterbringung des Instituts nur bis dahin gesichert ist. Ivanov glaubt fest an eine Verlängerung durch Elfmeterschießen.

Der Professor scheint sie Sache ernst zu nehmen. Da der ihm durch Sofia zugestandene finanzielle Rahmen keine Extravaganzen erlaubt, organisiert er Veranstaltungen, deren Kosten überschaubar sind. Zunächst kommt es zu einer Vortragsreihe unter dem Titel “Die Geschichte und Kultur Südosteuropas”. Der erste Redner ist jemand, den Professor Ivanov sehr gut kennt, nämlich er selbst. Heute abende um 19:00 Uhr Ortszeit wird er einen Vortrag zum Thema “Christlich-archäologische Forschungen am Limes Rhodopica in Bulgarien” halten. Dies klingt nach einem Renner, einem wahren Publikumsmagneten (räusper).

Abgesehen von dieser Sensation hat Ivanov ein Winzertreffen organisiert, das im September stattfindet, und zu dem sowohl bulgarische, als auch deutsche Winzer erwartet werden. Dass Ellwangen gar nicht in einer Weingegend liegt, tut hier nichts zur Sache, meint der Professor.

Photo des Palais Adelmann (oben): Stadt Ellwangen

Comments

comments

About the Author

Imanuel Marcus is Associate Editor of The Sofia Globe. He is German and lives in Sofia. Contact: imanuelmarcus (at) gmail.com