Früherer Präsident Plevneliev: Liebe zu Israel, im Gegensatz zu verbreitetem Hass

Written by on February 26, 2017 in Politik, Uncategorized - Comments Off on Früherer Präsident Plevneliev: Liebe zu Israel, im Gegensatz zu verbreitetem Hass

Durch die bulgarische Hauptstadt Sofia zu laufen, über den Büchermarkt am Slaveykov-Platz zum Beispiel, ist schön, bis das Gesicht von Adolf Hitler ins Blickfeld springt, auf dem Cover von “Mein Kampf”. An mehreren Bücherständen hat dieses “Werk” einen prominenten Platz, ganz oben auf den Stapeln, so als wäre es vor einer Woche veröffentlicht worden und sofort auf den Bestsellerlisten gelandet.

Eine Forsetzung des Spazierganges im Zentrum Sofias wird mehr Bewunderung für die Mörder ans Tageslicht bringen, die Nazideutschland anführten, und deren willige Vollstrecker in der Bevölkerung. Schwachköpfe, die von der Idee von Kriegen und Völkermord begeistert zu sein scheinen, haben zahlreiche Hakenkreuze und andere Nazi-Symbole an die Wände vieler Gebäude gesprayt.

Wenn man sich mit den derzeitigen politischen Präferenzen der bulgarischen Wähler beschäftigt, wird man feststellen, dass faschistoide Parteien, die für Hass auf Flüchtlinge und Minderheiten stehen, mehr als 10% der Stimmen einfahren könnten. Genaueres wird Bulgarien in einem Monat wissen, auf den Tag genau, denn dann finden die vorgezogenen Parlamentswahlen statt.  

Es gibt auch positive Zeichen. Die Synagoge befindet sich in unmittelbarer Nähe der Banya Bashi Mosque. Und die Sveta Nedelya-Kirche ist auch nur ein paar Schritte entfernt. Es kann in Sofia von einer überwiegend friedlichen Koexistenz von Juden, Moslems und der christlich-orthodoxen Mehrheit die Rede sein.

Dann gibt es noch die jüngere Geschichte Bulgariens, von der der frühere bulgarische Präsident Rosen Plevneliev gerne spricht: “Wir sind so stolz auf die mutigen Taten der bulgarischen Gesellschaft während des Zweiten Weltkrieges, als sich Bulgaren, die Kirche und einige Politiker für ihre jüdischen Freunde einsetzten. Sie retteten alle Juden in Bulgarien, 48.000 Leben”, sagte Plevneliev gegenüber der Jerusalem Post.

Der Artikel, “A Bulgarian Love Affair with Israel” (“Eine bulgarische Liebesaffäre mit Israel”), in dem es fälschlicherweise heißt, Plevneliev hätte die jüngste Wahl gegen Rumen Radev verloren (Stand: Samstag, 18:00 Uhr) porträtiert einen Ex-Präsidenten Bulgariens, dessen Wertschätzung des einzigen jüdischen Staates auf dem Planeten aufrichtig ist und von Herzen kommt: “Ich liebe Israel. Ich liebe die Leute. Ich liebe den Geist.” Nur Tage zuvor war Plevneliev mit dem Friends of Zion-Preis bedacht worden, als Anerkennung für die Rettung der bulgarischen Juden durch das Volk, während des Faschismus.

Rosen Plevneliev erinnerte gegenüber dem israelischen Blatt an den Terroranschlag von Burgas, bei dem im Jahr 2012 fünf israelische Touristen und ein bulgarischer Busfahrer ermordet wurden. Genau 32 Minuten nach der Explosion der Bombe sei er vor Ort gewesen. Auch sagte der ehemalige Präsident, er habe sowohl bei der Europäischen Union in Brüssel, als auch bei den Vereinten Nationen gegen Antisemitismus Stellung genommen.

Diese Art Position hinsichtlich Israel ist in Europa und andernorts nicht selbstverständlich. Israel ist unter Druck, unter anderem aus diesen Gründen:

>> Bei den Vereinten Nationen ist der sogenannte U.N.-Menschenrechtsrat UNHRC emsig dabei, Resolutionen gegen Israel zu verabschieden, während er Menschenrechtsverletzungen, mit denen sich das Gremium beschäftigen sollte, etwa auf dem Boden seines Mitgliedstaates Saudi-Arabien, in Syrien, Nord-Korea oder im Sudan, nahezu komplett ignoriert.

>> Ebenfalls bei den Vereinten Nationen ist die Organisationen UNRWA eigens für Flüchtlinge in den umstrittenen Gebieten zuständig. UNRWA betreibt Schulen, in denen Lehrer unterrichten, die sich auf sozialen Medien für die Ermordung von Juden aussprechen. Auch tut UNRWA generell mehr, um Israel zu schaden, als seinen Aufgaben bei der Hilfe palästinensischer Flüchtlinge nachzukommen.

>> E.U.-Regierungen, darunter das Auswärtige Amt unter dem heutigen Bundespräsidenten Steinmeier, haben UNRWA trotz allem regelmäßig Millionen überwiesen. Auch unterstützen sie die Palästinensische Autonomiebehörde, die mit der Terrororganisation Hamas gemeinsame Sache macht, Palästinenser gefährdet, Mörder glorifiziert, deren Familien Gehälter zahlt und Kindern im palästinensischen Fernsehen beibringt, wie man Juden ermordet, während sie Israel nichteinmal anerkennt.

>> Einige Regierungen, darunter die schwedische, haben eine offen feindselige Position gegenüber der einzigen Demokratie im Nahen Osten eingenommen, unter anderem indem sie sagt, “die Siedlungen” verhinderten den Frieden, während sie die Tatsache ignoriert, dass es nie wirklich um die Siedlungen ging. Denn die Kriege und Terrorangriffe gegen Israel begannen im Moment der Gründung des Staates, als es weit und breit keine Siedlungen dieser Art gab.

>> Eine Mehrheit der europäischen Regierungen sehen das eine Problem nicht, das Fortschritte in Richtung Frieden verhindert, nämlich die Weigerung der Palästinenserführung und deren Unterstützern, auch nur Verhandlungen zu führen. Die PA hat dafür einen offensichtlichen Grund: Sie will Israel lieber weiterhin hassen, als für Frieden zu arbeiten, da sie auf diese Weise an der Macht bleiben und Millionen an Hilfsgeldern mißbrauchen kann. 

>> Die globale, antisemitische BDS-Bewegung versucht, Regierungen und Städte davon zu überzeugen, israelische Produkte zu boykottieren, eine hoffähig gemachte Idee der Nazis aus den späten 1930-er Jahren. Da das heutige Israel damals noch nicht existierte, sprachen die Nazis vom Boykott jüdischer Geschäfte, der bei ihnen schnell zu Gewalt, Mord und Genozid führte.

Plevneliev’s Einstellung zu Israel ist in der Tat anders. Er ist ebenso “Pro-Israeli” wie “Pro-Europäer”: “Ich kämpfe für dieses Projekt, da ich Frieden will”, sagte er der Jerusalem Post.

Auch verriet er, dass er dabei sei, ein Buch zu verfassen, über internationale Angelegenheiten und einen Ausblick auf 2017. Klingt interessant.

By Imanuel Marcus

Foto: Friends of Zion Museum

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Imanuel Marcus is Associate Editor of The Sofia Globe. He is German and lives in Sofia. Contact: imanuelmarcus (at) gmail.com