Greenpeace Bulgarien: Die Luftqualität in Sofia ist alarmierend

Written by on February 16, 2017 in Stadt Sofia, Uncategorized - Comments Off on Greenpeace Bulgarien: Die Luftqualität in Sofia ist alarmierend

Der bulgarische Ableger von Greenpeace bezeichnet die Luftqualität in Sofia als alarmierend. Dass man in der bulgarischen Hauptstadt, vor allem an verschmutzungsintensiven Wintertagen, möglichst nicht atmen sollte, geht auch aus den Ergebnissen von Studien zur Luftqualität hervor, die in den vergangenen Wochen und Monaten veröffentlicht wurden.

>> In einer Studie der EcoExperts ging hervor: Bulgarien sei das “toxischste”, also das am meisten vergiftete Land Europas.

>> The Lancet, ein in Großbritannien veröffentlichtes, medizinisches Journal, kam zu dem Ergebnis, dass jedes Jahr 18.000 Bulgaren aufgrund der Luftverschmutzung in ihrem Land sterben.

>> Die Europäische Umweltagentur EEA ernannte Sofia im Oktober 2016 in einer Studie zur am meisten verpesteten Hauptstadt in Europa.

“Es ist klar, dass die Luftqualität gerade in Sofia alarmierend ausfällt. Dies gilt vor allem zu Jahresbeginn”, sagt die Expertin Teodora Stoyanova von Greenpeace Bulgarien. “Wir reden bereits sehr lange über das Problem. Erst jetzt merken wir, dass sich die Leute langsam dafür interessieren.”

Viele Bewohner Sofias, vor allem aber Eltern mit Babies und Kleinkindern, machen sich sorgen und fragen sich, ob Kinder in Sofia draußen spielen oder überhaupt in Sofia leben sollten. Teodora Stoyanova sagt, die Leute sollten sich auf jeden Fall über die Probleme mit der Luftqualität und die Konsequenzen für ihre Gesundheit – und die ihrer Kinder – im Klaren sein. Die Sorgen von Eltern sind ihr zufolge berechtigt. Sie empfiehlt Eltern, die Luftqualität täglich zu verfolgen oder zu messen und notfalls zu rabiaten Mitteln zu greifen, wie es Eltern im polnischen Krakau tun. An Tagen mit besonders viel Luftverpestung gehen die dort lebenden Kinder nicht in Kindergärten oder Schulen, sondern bleiben zuhause.

Die Stadtverwaltung Sofias kennt zwar die genannten Studien, scheint sich aber dem Ernst der Lage nicht bewusst zu sein. Bürgermeisterin Yordanka Fandakova sprach unlängst lediglich von Möglichkeiten, die für Tage mit besonders viel Luftverschmutzung in Erwägung gezogen werden könnten. Dazu gehört eine Gratis-Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs. Für Greenpeace Bulgarien gehen diese halbherzigen Bekenntnisse nicht weit genug.

“Es ist ein sehr komplexes Problem”, meint Teodora Stoyanova. “Die Sofioter Stadtverwaltung hat bereits sehr lange über mögliche Schritte gesprochen. Aber sie hat keine Lösungen. Wir hoffen sehr, dass der öffentliche Druck das Rathaus zwingen wird, echte Schritte einzuleiten”, sagt die hauptamtliche Greenpeace-Expertin. Ihr zufolge gibt es geeignete kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen, die implementiert werden könnten und in Kombination zu Ergebnissen hinsichtlich einer Verbesserung der Luftqualität führen würden.

“Wir versuchen, mit der Stadtverwaltung zusammenzuarbeiten”, so Teodora Stoyanova. “Vor allem eine deutliche Herabsetzung der Nutzung von Festbrennstoffen wäre wichtig. Denn sie ist eine der Hauptquellen für die Verschmutzung.” Ihr zufolge steht der Straßenverkehr an nächster Stelle. Nicht nur Greenpeace, sondern auch andere Nichtregierungsorganisationen fordern schnelle Verbesserungen im System des öffentlichen Nahverkehrs in Sofia, sind aber nicht allzu optimistisch. “Es kommt wirklich darauf an, was die Stadtverwaltung tun und wie schnell sie vorgehen will”, so die Greenpeace-Mitarbeiterin. Diese Tatsache ist vermutlich das größte Problem von allen, da das Rathhaus von Sofia nicht dafür bekannt ist, Probleme schnell anzugehen – wenn überhaupt.

Von Imanuel Marcus

Dies ist der englische Original-Bericht (Video):

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Imanuel Marcus, the founder of foreignersandfriends.com, is Associate Editor of The Sofia Globe.